Konzepte · Risk-on / Risk-off
Makro-Regime-Klassifikation erklärt
Warum ein bearisher Sentiment-Score und ein Risk-off-Regime nicht dasselbe sind — und warum die Abweichung zwischen beiden selbst Information liefert.
Viele Anleger gehen stillschweigend davon aus, dass ein bearisher Makro-Sentiment-Score automatisch ein Risk-off-Regime bedeutet — und ein bullisher Score automatisch Risk-on. Diese Annahme ist falsch. Sentiment-Scores und Regime-Klassifikationen messen zwei unterschiedliche Dinge, und gerade die Lücke zwischen beiden ist oft besonders informativ.
Dieser Artikel erklärt, was Makro-Regime-Klassifikation bedeutet, warum sie eine separate Ebene neben dem Sentiment-Score ist, wie divergierende Signale zu lesen sind und worauf man bei einem System achten sollte, das beides sauber trennt.
Falls Sie die Grundlagen noch nicht gelesen haben: Was ist Makro-Sentiment? und Wie Makro-Sentiment-Scores aufgebaut werden erklären die Basis.
Zwei unterschiedliche Fragen
Ein Makro-Sentiment-Score und eine Regime-Klassifikation beantworten zwei verschiedene Fragen.
Sentiment fragt: Verbessern oder verschlechtern sich die makroökonomischen Bedingungen in dieser Region? Es misst die Richtung des fundamentalen Makrobilds: Konjunktur, Geldpolitik, geopolitischer Kontext und Tonalität der Nachrichten.
Regime fragt: Wie verhält sich der Markt gerade — Risk-on, neutral oder Risk-off? Es misst Marktverhalten über Anlageklassen hinweg: Volatilität, Korrelationen, Kreditbedingungen, Flucht in sichere Häfen und Funding-Stress.
Die beiden Signale sind verwandt, aber nicht identisch. Sentiment bewegt sich langsamer und fundamentaler. Regime kann innerhalb eines Handelstages kippen. Gerade wenn beide auseinanderlaufen, entsteht ein zusätzlicher Informationswert.
Was in eine Regime-Klassifikation einfließt
Eine Regime-Klassifikation nutzt andere Inputs als ein Sentiment-Score. Sie betrachtet, wie Märkte sich verhalten, nicht nur, was die Makrodaten zeigen.
Aktienvolatilität. VIX-ähnliche Maße, V2X in Europa oder regionale Volatilitätsindizes. Wichtig, aber allein nicht ausreichend.
Kreditspreads. High-Yield- und Investment-Grade-Spreads zeigen Stress oft früher als Aktienmärkte.
Korrelationen über Anlageklassen. In normalen Phasen fallen Aktien und steigen Anleihen. In echten Liquiditätsstressphasen können Aktien und Anleihen gemeinsam fallen. Dieser Bruch ist ein wichtiges Regimesignal.
Währungsstress. Dollarstärke, Yen-Bewegungen, EM-Währungen und Euro-/Pfund-Reaktionen zeigen häufig früh, dass sich Risikoappetit verändert.
Funding-Stress. Geldmarktspreads sind frühe Signale systemischen Stresses und fehlen in vielen einfachen Retail-Indikatoren.
Volatilitäts-Termstruktur. Wenn kurzfristige Volatilität höher liegt als längerfristige, preist der Markt unmittelbaren Stress ein.
Die vier Fälle
Die Kombination aus Sentiment und Regime ergibt vier Grundsituationen. Die ausgerichteten Fälle sind leicht zu lesen; die divergierenden Fälle liefern die eigentliche Zusatzinformation.
Fall 1Bullishes Sentiment + Risk-on-Regime. Bestätigung. Das Makrobild verbessert sich und der Markt bestätigt es.
Fall 2Bearishes Sentiment + Risk-off-Regime. Bestätigung. Das Makrobild verschlechtert sich und Marktstress bestätigt die Schwäche.
Fall 3Bearishes Sentiment + neutrales Regime. Makro wird schwächer, aber der Markt reagiert noch nicht. Das kann Sorglosigkeit bedeuten — oder eine begrenzte, lokale Verschlechterung.
Fall 4Bullishes Sentiment + Risk-off-Regime. Die Fundamentaldaten sind konstruktiv, aber der Markt steht unter Stress. Häufig ist das ein ereignisgetriebener, vorübergehender Schock.
Beispiel: Oktober 2023 und der Nahe Osten
Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 löste sofort Marktstress aus: Öl und Gold stiegen, Aktien fielen, der Dollar wurde stärker und Volatilität zog an. Nach Regime-Logik war das ein schneller Wechsel in Richtung Risk-off.
Das fundamentale Makro-Sentiment änderte sich jedoch kaum. Die US-Daten, Fed-Erwartungen, Kreditbedingungen und Wachstumssignale waren nicht plötzlich anders. In Europa war die Energiekomponente relevanter, aber auch dort änderte sich das Kernbild nicht sofort. Asien war weitgehend indirekt betroffen.
Warum Regime als separate Ebene wertvoll ist
Zeithorizont
Sentiment folgt Daten und Fundamentalfaktoren. Regime kann sehr schnell auf Marktverhalten reagieren.
Stabilität
Sentiment ist stabiler, aber langsamer. Regime ist schneller, aber rauschanfälliger. Gemeinsam sind beide nützlicher als einzeln.
Unterschiedliche Fehlerquellen
Sentiment kann plötzliche Marktstressereignisse übersehen. Regime kann auf kurzfristigen Lärm überreagieren. Die Fehlerquellen sind unterschiedlich — genau deshalb ist die Kombination nützlich.
Das schwierigste Problem: Regime-Persistenz
Die große Frage lautet: Ist Stress dauerhaft oder nur ein kurzer Schock? Ein einzelner schwacher CPI-Tag ist etwas anderes als der Beginn einer Rezession.
Multi-Asset-Bestätigung. Ein einzelner fallender Index reicht nicht. Echte Regimewechsel zeigen sich über Aktien, Kredit, Währungen und Zinsen.
Dauergewichtung. Ein eintägiges Signal sollte nicht genauso gewertet werden wie ein Signal, das wochenlang anhält.
Regionale Kontrolle. Ein isolierter regionaler Regimewechsel ohne Übertragung ist meist lokal oder ereignisgetrieben.
Worauf Anleger achten sollten
Neben dem Sentiment sichtbar. Regime gehört direkt neben den Score, sonst sind Divergenzen kaum erkennbar.
Multi-Asset statt nur Aktienvolatilität. Kredit- und Währungssignale sind oft früher als Aktienvolatilität.
Korrelationen berücksichtigen. Wenn Aktien und Anleihen gemeinsam fallen, ist das ein anderes Umfeld als normale Aktienvolatilität.
Dauersensitivität. Ein gutes System kippt nicht bei jedem kleinen Marktwackler.
Wo Signovian einzuordnen ist
Signovians Market-Regime-Klassifikation basiert auf Multi-Asset-Stressindikatoren je Region, mit Dauergewichtung und regionalem Kontext. Die Regime-Anzeige steht neben dem Sentiment-Score, sodass Divergenzen sofort sichtbar sind.
Market Regime ist ab dem Gold-Plan verfügbar, zusammen mit Multi-Region-Zugriff, Intraday Pulse und Advanced Alerts.
Der nützliche Test
Ein Regimesignal ist dann nützlich, wenn es Ihnen etwas zeigt, das der Sentiment-Score allein nicht zeigt. In ausgerichteten Fällen liefert es Bestätigung. In divergierenden Fällen liefert es neue Information — und genau dort ist die separate Ebene am wertvollsten.
Sentiment und Marktregime nebeneinander sehen
Signovian Gold zeigt für jede Region sowohl den Sentiment-Score als auch die Market-Regime-Klassifikation.
Gold und andere Pläne ansehen →Keine Anlageberatung. Nur zu Informationszwecken.